

Gustav Adolf Pourroy
Geschäftsführender Gesellschafter
STRATACOM Consult GmbH
Herrn
Christian Ude
Oberbürgermeister der LHST München
Marienplatz
80331 München
München, 10. April 2006
AZ:transrapid-ob-muc4
TRANSRAPID und München
Ihr Schreiben vom 10.3.2006 AZ BOB-WJ 820/TT-06/12
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Ude,
Ihre ausführliche Stellungnahme, für die ich mich sehr bedanke, erfordert eine sorgfältige, aber auch doch überschaubare, kurze Antwort.
Das System TRANSRAPID ist bisher wenig von der gesamten deutschen Verkehrs-Ordnung, geschweige denn der europäischen her betrachtet worden. Ein neues System muss aber wirklich passen. STRATACOM befasst sich mit diesem Projekt seit 1990 – z.B. Vortrag vor Ausschüssen der Volkskammer der DDR im Umbruch.
Der Deutschen Bahn wird durch den schönen Ausbau der Autobahnen Güterverkehr entzogen. Die Mautgebühren werden erst mittelfristig umlenkend wirken. Der Güterschnellverkehr der Bahn ist langsam, in der Universalität dem Individualverkehr unterlegen. Die Schnelligkeit des Güterverkehrs der Bahn kann verbessert werden, wenn die Bahn weniger Rücksicht auf den Schnellverkehr nehmen müsste.
Der Versuch die ICE-Strecken den Erfordernissen des Güterverkehrs anzupassen (1% Steigung) führte in der Relation der Rohrpost Würzburg –Hannover zu hohen Kosten. Wie man bei Frankfurt-Köln sehen kann, hat die Bahn diese Rücksicht auf den Güterverkehr mit nun tatsächlich bis 3% Steigung aufgegeben. Das zeigt aber besonders deutlich, dass die Bahn Eigentümer und Planer des Netzes bleiben muss. In einem so komplexen Zusammenhang können zwei Herren statt eines Entscheiders nur Unglück stiften.
Der Bahn wird durch den unsinnigen Kurzstrecken-Flugverkehr mit günstigen Treibstoffpreisen ruinöse Konkurrenz gemacht. Flughafen-Ausbau für Nahverkehr geht leichter, als TRANSRAPID –Trassen zu entwickeln.
Klar wird hierdurch, dass die Bahn verkehrspolitisch benachteiligt wurde. Das macht ihr den System-Wechsel zum TRANSRAPID nicht leichter. An mein Bild zur Konfliktlage, das ich vorsorglich noch einmal beifüge, erinnere ich.
Nun, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, greifen sie die kleine Lösung TRANSRAPID München an. Es ist in der Tat ein Schönheitsfehler, dass der TRANSRAPID München nicht noch weiter führt. Gestatten Sie mir bitte daher die Apercu-Hafte Frage: Aus Nürnberg – Fürth hat sich doch auch seit 1835 ein ganz namhaftes System entwickelt? Warum nicht aus TRANSRAPID München? Herr Oberbürgermeister, lassen Sie München zum Schrittmacher werden.
Sie propagieren die Schnell-S-Bahn, da gibt es mit Sicherheit Lärmprobleme, das Dreifache an Schallpegel ist zu erwarten. Und heute? Warum können U-Bahnen des MVV in 20 Sekunden – außer bei großem Anfall – Haltstellen abwickeln, aber die S-Bahn braucht zuweilen 3 Minuten? Warum? Lassen Sie das einmal messen und lassen Sie sich bitte nicht sagen: Das stimmt nicht. Ich habe bei S8 und S1 selbst gestoppt. Das ließe sich heute schon verbessern. Außerdem: Dem schönen Flughafen München mit dem TRANSRAPID eine Art Rolltreppe zu verschaffen, das wäre eine Tat.
Die Untersuchung Rothengatter kann nie greifen, weil sie einseitig nur auf Hamburg-Berlin gemünzt war, aber – wie oben dargelegt - das gesamte Verkehrssystem zu beurteilen ist. Die A.T.Kearney-Untersuchung war wesentlich fundierter. Außerdem ließ Rothengatter das Thünensche Gesetz außer Acht, nachdem neue Verkehrswege neuen Verkehr schaffen. (J.H. v. Thünen Der isolierte Staat, ca. 1830). Spitzenleistung deutscher Regierungskunst war der Vorschlag, den TRANSRAPID Hamburg-Berlin als Schnellbahnsystem eingleisig zu schaffen: So schaut Chaos in den Gehirnen aus!
Ich habe mehrfach vorgeschlagen, die ca. 200 Multiplikatoren der Medien, der Verkehrspolitik und der Bürger in einem nach Metaplan-Technik moderierten Informationsmarkt zu einer Ordnung der Willensbildung zusammen zu rufen. Wenn Sie Ihre Zustimmung zu dem Projekt TRANSRAPID von dem Ergebnis dieser Zusammenkunft von 1-2 Tagen abhängig machten, dann wären wir einen Schritt weiter. Ich bin gern bereit, Ihnen mündlich zu diesem Vorschlag vorzutragen.
Mit freundlichen Grüßen Anlage
gez. Gustav Adolf Pourroy